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Sonntag, 28. Oktober 2007
Kairo - القاهرة September- Oktober 2007
Eingeholt vom Cliché und nun wohnhaft im blauen Salon
Nach vollzogenem Umzug gibt’s nun Neues von mir aus, diesmal hauptsächlich etwas über den „idealen israelischen Mitbewohner“ ! Ausdrücklich sei gesagt, dass ich auch schon nette Israelis kennengelernt habe, aber es gibt immer auch die anderen....
In den letzten Wochen bin ich nämlich nun endlich in den Genuß des Cliché-Israelis gekommen, der schon in unserem Sprachkurstexten etwas karikiert wurde, von dem ich zum Glück bisher verschont worden war: Als Tanja aus Deutschland vor zwei Wochen zu Besuch war, zogen drei Israelis in die noch freien Zimmer der 5er-WG im Wohnheim ein und meine Hoffnung auf eine Fortsetzung der netten ruhigen WG für die nächste Zeit sollte sich komplett in Luft auflösen: Eine von den neuen Mitbewohnern, die Israelin stelle sich als sehr nett heraus, aber die beiden anderen, männlichen neuen Mitbwohner waren da schon von einem völlig anderen Kaliber. Ich habe ja gedacht, dass mich nach drei Jahren Wohnheimsleben im Geigerle mit all seinen Spontanparties, Soap-Opera-Stories und manchmal etwas doch arg individuellen Mitbewohnern eigentlich nicht mehr so viel ärgern, aufregen kann oder erstaunen kann, aber man wird immer eines Besseren belehrt: Der typische Cliché-Israeli sieht wie folgt auf: Macho, unhöflich, sehr direkt und dreist. Genau zwei solcher Exemplare sind in meiner Ex –WG gelandet, beide frisch von Militär nach drei Jahren, ohne die übliche Auszeit zum Abreagieren in Südamerika oder Indien für mehrere Monate bis zu einem Jahr, aber dafür mit umso mehr Testosteron versehen und beide trugen auch den gleichen Namen, „Dudu“. Seit ihrem Einzug gehörte ein sehr hoher Grundpegel an Lautstärke zu unserem WG-Leben. Dies wurde aber zum Teil auch durch die extreme Dünnwandigkeit der Wohnung (nahöstliche Bautechnik… ich werde nie mehr etwas gegen die Bauweise im Geigerle sagen) gefördert, die erst bei kompletter Besetzung mit 5 Leuten auffiel. Manche Sachen aus dem Bad wollte ich einfach nicht hören… Sachen verschwanden aus meinem Kühlschrankfach, bis ich mal Tacheles geredet habe und ich war etwas erstaunt, als mir Dudu I, der machohaftere von beiden mitteilte, ich sollte weiter Deutsch reden, weil das so sexy klänge. Also, ich hab ja schon viel gehört, aber noch nie, dass gerade Deutsch sexy sei! Dudu II hat sich dann teilweise als doch ganz nett herausgestellt, aber nach 1-wöchiger Plage und einer nächtlichen Putzaktion, bei der die Wohnung etwas unter Wasser gesetzt wurde, und dem Auftauchen von sehr geschmackvollen versilberten Zierfrüchten auf unserem Küchentisch, dachte ich nur noch: „Es ist gut, dass ich bald ausziehe.“ Seit Anfang Oktober hatte ich die entscheidenden Leute in der Wohnheimsverwaltung erfolgreich genervt und letzten Montag dann ein größeres, billigeres Zimmer für Graduate Students in einem anderen ruhigen, älteren Wohnheim bekommen. Auf Grund meiner deutschen Zwischenprüfung haben die mir hier Graduate-Status verliehen, was sich in diesem Fall als sehr praktisch herausstellte, da die Undergraduates sich generell in diesem älteren Wohnheim die Zimmer teilen müssen. Den Umzug hatte ich schon länger gewollt, da ich die Hochhausanonymität (12 Gebäude an der Zahl) und Ghettoatmosphäre des neuen Wohnheims einfach nicht mochte und dies durch die zwei Prachtexemplare von Israelis dann noch gefördert wurde.
Mein neues Zimmer ist pragmatisch und nett eingerichtet, mit Kühlschrank (der erste in meinem Leben ganz alleine für mich!) und einer Kombi aus Waschbecken-Kochecke. Die Möbel sind hauptsächlich quitschblau, was auch mal eine interessante Erfahrung ist. Wir sind 10 Mädels auf einem Flur, die ich noch nicht so richtig kennengelernt habe; komischerweise trennen die hier Männlein und Weiblein. Es gibt eine kleine Küche, die aber selten genutzt wird und ich mich deshalb langsam frage, wo Israelis essen, da die Mensen auch immer recht leer sind. Bis auf dem Fakt, dass ich nach der erste Nacht gemerkt habe, dass mein Schlüssel von außen zwar gut funktioniert, aber von Innen das Schloß nicht wirklich aufzuschließen ist, lief auch alles gut an… nach 10-minütigem Rumgeprockel und Küchenmessereinsatz bin ich dann auch aus dem Zimmer rausgekommen! Insgesamt verspricht es ruhig zu sein, was ein erheblicher Fortschritt ist.
Sonst hat die Uni begonnen, die Kurse scheinen interessant zu sein, soweit sie stattfanden: Hier wird nämlich gestreikt, allerdings sind es diesmal die Profs und deshalb warte ich die Seminare erst nochmal etwas ab.
Sonntag, 21. Oktober 2007
Sinai September 2007
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| Sinai |
Montag, 15. Oktober 2007
Ankunft im Netz der Gegenwart, eine Pyramide mit Knick aus alten Zeiten und der Tempel der nicht vorhandenen Bücher
Sonst waren wir noch im Ägyptischen Museum, das stellenweise (bis auf die voll klimatisierten Tutanchamun-Sääle und den Mumienraum) einer Abstellkammer gleicht und ich hab mir das islamische Cairo und die Totenstadt im Osten angeguckt, insgesamt die Stadt auf mich wirken lassen. Einen Tag war ich noch in Alexandria, was sich auch lohnt, wenn man etwas Zeit erübrigen kann: Vom Pharos-Leuchtturm sind in der später erbauten Festung noch ein paar Steine zu erkennen und die neue Bilbliothek dort verfügt über eine interessante architektonische Konstruktion. Nur die Belästigungen durch die Ägypter waren noch schlimmer als in Cairo und das kann einem manchmal total auf den Keks gehen! Nun ja...


