Samstag, 22. Dezember 2007

Eine ungewollte Nacht mit W.A. Mozart und die unweihnachtlichste Weihnachtszeit mitten im "Heiligen Land"

Nach ziemlich langer Blogabstinenz melde ich mich nochmal rechtzeitig vor Weihnachten zu Wort. Mein langes Schweigen hatte seine Gründe, eine der Hauptursachen war ein Radunfall gegen Ende November, bei dem ich nicht schwer verletzt wurde, aber der mich dann doch etwas aus der Bahn geworfen hat. Deshalb hatte ich dann auch die "Ehre", mich mit der israelischen Polizei und dem israelischen Versicherungswesen auseinandersetzten zu dürfen:

Dummerweise bin ich an einem Donnerstag Abend an einer belebten Kreuzung in der Jerusalemer Innenstadt bei Gelb über eine Ampel und habe es dann aber leider nicht mehr heile über die Kreuzuung geschafft, sondern bin von einem Taxi erwischt worden. Daraufhin flog ich etwas durch die Luft und bin dann auf dem Boden aufgeschlagen. Ich war auf meine rechte Körper- und Kopfseite gestürzt, hatte aber das Bewusstsein nicht verloren und direkt nach dem Unfall konnte ich mich auch aufsetzen. Dabei habe ich dann schnell gemerkt, dass ich eigentlich insgesamt mehr oder weniger okay bin, dass heißt, kein Bein gebrochen war oder ähnliches. Auf der Stirn, der Nase und dem Kinn hatte ich Platzwunden, es fehlt eine Stück von einem meiner Schneidezähne und die Nase hatte auch einen Schlag abbekommen. Nach dem Unfall kamen sofort Leute auf mich zu, darunter eine Ärztin in Zivil und ein Sanitäter aus einem Krankenwagen, der hinter mir gefahren war. Nachden ich eine sehr kleidsame Halskrause bekommen hatte, haben sie mich von der Kreuzzung weggbracht und ich konnte dann Rebekka, eine von den deutschen Theologen erfolgreich anrufen, die zum Glück in der Nähe unterwegs waren. Ein anderer Deutscher, Alex war zufällig dort und hat erstmal mein Rad an sich genommen. Mir wurde dann mitgeteilt, dass ich wegen der Kopfverletzungen in die Notaufnahme vom Hadassah Krankenhaus in EinKerem, ganz im Westen der Stadt gebracht werden muss. Da mir klar war, dass ich wohl nicht richtig ernsthaft verletzt bin, beschloss ich das ganze Theater mit möglichst viel Galgenhumor als interessante Erfahrung zu nehmen, was es dann auch letztendlich war. Als man mich in den Krankenwagen reingeschoben hatte, kam dann zum Glück Rebekka gerade noch rechtzeitig. Laut ihren Aussagen und denen von Alex muss ich wohl ziemlich krass ausgesehen habe, da mir das Blut von der Stirn über ganze Gesicht gelaufen war und meine Mund und die Zähne auch total blutig waren...Halloween lässt grüßen!
Inzwischen war dann auch die Polizei angekommen - die wären wohl fast mit Maschinengewehren in den Krankenwagen reingestiefelt - und der Notarzt musste dann nochmal raus, um den Taxifahrer zu versorgen, der auch einen Schock erlitten hatte. Nach einer längeren Fahrt mit Blaulicht, bei der ich auf Englisch und Hebräisch den Sanitätern Rede und Antwort stand, kamen wir in der Notaufnahme an und gleich vier Fachärzte stürtzten sich auf mich; es war wie in Emergency Room, nur Geroge Clooney hat noch gefehlt. Nach dem Durchchecken hab ich mich dann selbst im Spiegel gesehen: ich sah schon nicht so prickelnd aus... . Rebekka ist dann nach Hause gefahren und ich verbrachte die folgenden Stunden mit meinen MP3Player bis zum nächsten Morgen zur Beobachtung dort und habe es geschafft, Mozarts Requiem mitten in der Notaufnahme zu genießen... :-)
Das WE danach war gezwungenermaßen sehr ruhig, v.a. nachdem ich am Samstag morgen wirklich schockiert feststellen musste, dass das Blut aus der Stirngegend sich durch den Aufprall um meine Augen angesammelt hatte und diese fast komplett zugeschwollen waren.
In der Woche darauf war ich dann bei der Polizei zur Vernehmung, erst war es ein netter Beamter, der zweite war aber ein arrogantes Arschloch, dem gar nicht daran lag, den Unfall wirklich zu klären: Ein Zeuge sagte, ich sei bei Rot gefahren und der Taxifahrer behauptete, er habe Grün gehabt, somit sei ich schuldig. Das hat mich dann etwas aufgebracht, aber da die Versicherung des Taxifahrers meine Krankenkosten übernehmen würde, beschloss ich nicht noch mehr Energie und Zeit in die Sache zu investieren und gliederte mich wieder in den Unialltag ein (meiner Sprachkursklasse hatte ich in Abwesenheit bereits eine Stunde über Unfall-, Rad- und Verkehrsvokabular beschert).
Leider hatte sich das Blut um meine Augen begonnen zu verfärben und somit musste ich anderthalb Wochen mit gleich 2 (!) Blauen Augen gleichzeitig durch die Gegend laufen und auch der Rest des abgeschlagenen Zahns verfärbte sich dunkel, eventuell ein Zeichen dafür, dass er abgestorben ist. Diese äußeren Anzeichen hatten dann u.a. auch das Angebot männlicher Kommilitonen zur Folge, ob sie mal eben meinen Freund oder Ehemann verprügeln sollten... ;-) Die ganze Blicke und Kommentare - typisch amerikanischer Kreischton: "Oh my Gooood! What has happen to you????" - haben schon ziemlich genervt, aber ich bin eigentlich ganz stolz, das trotzdem geschafft zu haben, ohne Sonnenbrille o.ä., und die Leute hier waren auch andererseits sehr hilfsbereit und anteilnehmend.
Ich habe jetzt auch leider deshalb die israelische Bürokratie ausführlich kennengelernt, die uneffizienter und langsamer als die deutsche ist! *stöhn* Nachdem ich endlich bei einem mir mehrmals empfohlenen Zahnarzt einen Termin für letzten Montag wegen des abgeschlagenen Zahns bekommen hatte, hieße es dann doch entgegen früherer Versicherunsangaben, dass ich dafür eher ins Krankenhaus gehen muss und das bedeutet, dass sich meine Odyssee durchs israelische Versicherungs- und Arztwesen noch etwas fortsetzten wird... Fortsetzung folgt.
Danke für die ganzen telephonischen oder schriftlichen Genesungswünsche von denen unter euch, die von dem Unfall erfahren hatten: Ich hab es bewusst nicht groß mitgeteilt, da das ganz so nervig genug war.

Abgesehen davon hatte und habe ich hier für die Uni verdammt viel zu tun (was durch den Unfall dann auch wieder etwas durcheinander geriet), da 4 Hauptseminare, bei denen ich für 2 ein Mid-Term-Paper schreiben musste und ein 8h-stündiger Sprachkurs wöchentlich schon ihren Tribut fordern. Mein Seminar direkt auf Hebräisch an der Uni, nicht an der Rothberg School (dem Institut für Austauschstudenten, wo alle Kurse auf Englisch stattfinden) wird seit Semesterbeginn nicht gehalten, da die Professoren wegen lächerlich geringer Löhne streiken. Seit Montag wurden jetzt auch große Teile der Rothberg School als zusätzliche Druckmaßnahme gegen die Regierung auf Streik gesetzt und diese Woche hatte ich deshalb nur die Hälfte meines Sprachkurses. Keiner weiß im Moment, wann der Streik zu Ende sein wird und wer weiterhin davon betroffen sein wird. Aber alle hoffen, dass es bald vorbei ist. Im worst case wird das Semester verlängert und das bedeutet, dass ich meine Semesterferien im Februar knicken kann und somit auch einen Besuch in Deuschland. Aber das wird sich noch hoffentlich in den nächsten Wochen zum Positiven wenden.

Ansonsten ist es hier in JLM selten "unweihnachtlich", nur im christlichen Viertel in der Altstadt kann man über ein paar Weihnachtsbäume und Lichterketten in Fenstern stolpern. Ich befinde mich hier auch gar nicht so richtig in weihnachtlicher Stimmung, was vielleicht auch daran liegt, dass ich eigentlich über Weihnachten komplett Uni habe, nur der Streik kann mir da ein paar freie Tage bescheren. An Heilig Abend will ich mit ein paar Leuten nach Bethlehem, auch wenn wir jetzt noch keine Tickets für die Christmette dort haben und das etwas schwierig werden könnte. Auf jeden Fall ist es schon komisch mitten im JLM zu sein, es irgendwie gar nicht "weihnachtet", obwohl die Geschichte hier ihre Wurzeln hat, leider auch kein Schnee liegt (ich vermisse ihn so!) und ich dann das ganze Weihnachtstrara aus GER mitbekomme... Naja, vielleicht werde ich dann doch noch direkt in Bethlehem "erleuchtet", zumindest habe ich es schon geschafft, dass auf ewige Zeiten ein Teil von mir - das untere Drittel meines Schneidezahns - im Heiligen Land bleiben wird, was auch eine gewisse Leistung ist. Sei es dahin gestellt, ob dies nun zu meiner spirituellen Erleuchtung beiträgt oder nicht... :-)

Euch allen an dieser Stelle ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest im Kreis eurer Familie oder Freunde und ein Gutes Neues Jahr 2008!

Ich melde mich dann demnächst exklusiv mit einem Bericht über Weihnachten in Bethlehem und wie man hier Neujahr feiert, auch wenn die Israelis das eigentlich gar nicht tun.

Hag Sameach aus Yerushalaijm!

Sonntag, 4. November 2007

Qumran und Totes Meer, 03.11.2007

Gestern, am 03.11.2007, bin ich mit Helge von Jerusalem mit dem Rad zum Toten Meer runtergefahren, 1200 Höhenmeter Unterschied: Von Jerusalem auf ca. 800 m Höhe bis auf ca.-400 m runter. Was ein Spaß für unsere Fahrradbremsen! Zurück sind wir dann doch lieber mit dem Bus gefahren...;-) Nach 3h-Stunden durch sehr coole Wüstenfelslandschaft sind wir in Qumran bei der Ausgrabungstelle einer Essener-Siedlung gelandet. Diese Sekte gilt als Verfasser der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer, die in den Höhlen in den Bergen der Umgebung gefunden wurden. Dort sind wir dann noch etwas rumgeklettert und haben es bis zu einer der Höhlen geschafft, die aber so krass zugeschissen von den dort hausenden Vögeln war, dass der beißende Gestank kaum auszuhalten war. Danach ging es zum Toten Meer zu einer sehr amüsanten Badesession inklusive Schlammbad, wo aber einfach die Bilder die beste Sprache sprechen:
Qumran und Totes Meer

Westbank I+II

Und hier gibts noch mal alle Impressionen von dem Ausflug nach Ramallah und die von meinem ersten Ausflug in die Westbank im August 2007:
Westbank I - Bethlehem und Jericho
und
Westbank II - Ramallah

Ramallah oder "Die Suche nach der verschwundenen Kreuzfahrerkirche"

Das war also Ramallah: Wir stiegen am Busbahnhof nach einer knapp 3/4-h Fahrt mit dem arabischen Bus im Schneckentempo (Ramallah liegt nur 20 km von Jerusalem entfernt) aus. Helge, Nadia und ich hatten beschlossen, am 27.10.2007 den Shabbat, wo in Jerusalem nix los ist, mal wieder in der Westbank zu verbringen. Als kulturbeflissene Deutsche beschlossen wir uns zuallerst eine alte Kreuzfahrerkirche anzuschauen, die in unserer momentanen "Bibel", dem Lonely Planet für Israel und die Westbank angepriesen wurde - allerdings ohne exakte Ortsangabe. Also fingen wir an Leute zu fragen, wobei es sich als sehr praktisch herausstellte, dass Nadia, deren Eltern beide aus Marokko stammen, fließend Arabisch spricht. Aber selbst das brachte uns nicht die erwünschte Auskunft, sondern im Gegenteil: Laut den Befragten gab es in Ramallah keine Kreuzfahrerkirche, sondern man verwies uns immer auf das neue, katholische und ein älteres, orthodoxes Gotteshaus, das zu einem Kloster gehörte. Nebenbei wurden wir auch noch gefragt, woher wir kämen und als wir als Herkunftsland die USA verneinten, meinte eine alte Palästinenserin nur, dass das auch gut so wär, da die Amerikaner die Araber nur abschlachten würden, man aber deren starken Dollar leider bräuchte....Nun gut, wir begaben uns zuerst zu der katholischen Kirche ins Stadzentrum und danach zum dem Kloster. Anschließend erkundeten wir noch ein Konservatorium mit sehr interessanter Architektur und genossen dann die geschäftige Atmosphäre in den Straßen und auf dem Souq, die oft durch alte Männer, einfach auf einen Stuhl sitzend und das Treiben beobachtend, unterbrochen wurde: Auf unseren Streifzügen entdeckten wir Arafat-Buttons, die man uns aber nur zu extrem überhöhten Preisen überlassen wollte (und man war auch nicht wie sonst, handlungsbereit...woran das wohl gelegen hat ;-)) und allen möglichen arabischen Kitsch. Wohlverdient beschlossen wir eine Kaffeepause einzulegen und fanden dafür das "Stars & Bucks" von Ramallah sehr geeignet: Ob Starbucks wohl von dieser bis auf das &-Zeichen täuschend echten Kopie weiß? Nebenbei hatten wir öfter wieder nach der Kreuzfahrerkirche gefragt, aber immer noch hatte kein Mensch davon gehört. Dies sollte sich nun ändern: Ein Kellner im Stars & Bucks wusste anscheinend genau, was wir suchten und gab uns tatsächlich eine exakte Wegbeschreibung und Zeitangabe. Nach angemessener Rumchillerei in diesem Café entschieden wir, uns doch nocheinmal auf die Suche nach diesem immer mysteriöser werdenden christlichen Kultplatz zu begeben: Gesagt, getan! Doch leider stellte sich heraus, dass auch unsere neuen Informationen nicht genau waren und an besagter Stelle keine Kirche auf uns wartete, dafür stießen wir aber auf unserer Suche auf mehr oder weniger ernste Bedrohungen und schließlich auf ein paar Palästinenser, die gerade aus den USA zurückkamen und sehr hilfsbereit waren: Nachdem wir etwas verzweifelt und schon kurz vorm Aufgeben unser Anliegen kundgetan hatten und sie zwar auch noch nichts von einer Kreuzfahrerkirche gehört hatten, fingen sie wild an, für uns durch die Gegend zu telefonieren und tatsächlich: Einer der hilfsbereiten Geister am anderen Ende der Telefonleitung hatte Informationen für uns und dann, am Spätnachmittag fanden wir sie doch noch, Inshallah!, bzw. das, was von ihr übrig war: Die Kreuzfahrerkirche von Ramallah! Nach diesem "grandiosen Erfolgserlebnis" und dem Beschluss, dem Lonely Planet eine deutliche Beschwerdemail wegen absolut ungenauer und unzureichender Angaben zu senden, ließen wir den Tag gemütlich bei arabischen Süßigkeiten und Tee ausklingen und gelangten wieder wohlbehalten zurück nach Jerusalem.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Kairo - القاهرة September- Oktober 2007

Kairo - القاهرة
Jetzt gibt's auch endlich die Kairo-Bilder .....

Eingeholt vom Cliché und nun wohnhaft im blauen Salon

Nach vollzogenem Umzug gibt’s nun Neues von mir aus, diesmal hauptsächlich etwas über den „idealen israelischen Mitbewohner“ ! Ausdrücklich sei gesagt, dass ich auch schon nette Israelis kennengelernt habe, aber es gibt immer auch die anderen....

In den letzten Wochen bin ich nämlich nun endlich in den Genuß des Cliché-Israelis gekommen, der schon in unserem Sprachkurstexten etwas karikiert wurde, von dem ich zum Glück bisher verschont worden war: Als Tanja aus Deutschland vor zwei Wochen zu Besuch war, zogen drei Israelis in die noch freien Zimmer der 5er-WG im Wohnheim ein und meine Hoffnung auf eine Fortsetzung der netten ruhigen WG für die nächste Zeit sollte sich komplett in Luft auflösen: Eine von den neuen Mitbewohnern, die Israelin stelle sich als sehr nett heraus, aber die beiden anderen, männlichen neuen Mitbwohner waren da schon von einem völlig anderen Kaliber. Ich habe ja gedacht, dass mich nach drei Jahren Wohnheimsleben im Geigerle mit all seinen Spontanparties, Soap-Opera-Stories und manchmal etwas doch arg individuellen Mitbewohnern eigentlich nicht mehr so viel ärgern, aufregen kann oder erstaunen kann, aber man wird immer eines Besseren belehrt: Der typische Cliché-Israeli sieht wie folgt auf: Macho, unhöflich, sehr direkt und dreist. Genau zwei solcher Exemplare sind in meiner Ex –WG gelandet, beide frisch von Militär nach drei Jahren, ohne die übliche Auszeit zum Abreagieren in Südamerika oder Indien für mehrere Monate bis zu einem Jahr, aber dafür mit umso mehr Testosteron versehen und beide trugen auch den gleichen Namen, „Dudu“. Seit ihrem Einzug gehörte ein sehr hoher Grundpegel an Lautstärke zu unserem WG-Leben. Dies wurde aber zum Teil auch durch die extreme Dünnwandigkeit der Wohnung (nahöstliche Bautechnik… ich werde nie mehr etwas gegen die Bauweise im Geigerle sagen) gefördert, die erst bei kompletter Besetzung mit 5 Leuten auffiel. Manche Sachen aus dem Bad wollte ich einfach nicht hören… Sachen verschwanden aus meinem Kühlschrankfach, bis ich mal Tacheles geredet habe und ich war etwas erstaunt, als mir Dudu I, der machohaftere von beiden mitteilte, ich sollte weiter Deutsch reden, weil das so sexy klänge. Also, ich hab ja schon viel gehört, aber noch nie, dass gerade Deutsch sexy sei! Dudu II hat sich dann teilweise als doch ganz nett herausgestellt, aber nach 1-wöchiger Plage und einer nächtlichen Putzaktion, bei der die Wohnung etwas unter Wasser gesetzt wurde, und dem Auftauchen von sehr geschmackvollen versilberten Zierfrüchten auf unserem Küchentisch, dachte ich nur noch: „Es ist gut, dass ich bald ausziehe.“ Seit Anfang Oktober hatte ich die entscheidenden Leute in der Wohnheimsverwaltung erfolgreich genervt und letzten Montag dann ein größeres, billigeres Zimmer für Graduate Students in einem anderen ruhigen, älteren Wohnheim bekommen. Auf Grund meiner deutschen Zwischenprüfung haben die mir hier Graduate-Status verliehen, was sich in diesem Fall als sehr praktisch herausstellte, da die Undergraduates sich generell in diesem älteren Wohnheim die Zimmer teilen müssen. Den Umzug hatte ich schon länger gewollt, da ich die Hochhausanonymität (12 Gebäude an der Zahl) und Ghettoatmosphäre des neuen Wohnheims einfach nicht mochte und dies durch die zwei Prachtexemplare von Israelis dann noch gefördert wurde.

Mein neues Zimmer ist pragmatisch und nett eingerichtet, mit Kühlschrank (der erste in meinem Leben ganz alleine für mich!) und einer Kombi aus Waschbecken-Kochecke. Die Möbel sind hauptsächlich quitschblau, was auch mal eine interessante Erfahrung ist. Wir sind 10 Mädels auf einem Flur, die ich noch nicht so richtig kennengelernt habe; komischerweise trennen die hier Männlein und Weiblein. Es gibt eine kleine Küche, die aber selten genutzt wird und ich mich deshalb langsam frage, wo Israelis essen, da die Mensen auch immer recht leer sind. Bis auf dem Fakt, dass ich nach der erste Nacht gemerkt habe, dass mein Schlüssel von außen zwar gut funktioniert, aber von Innen das Schloß nicht wirklich aufzuschließen ist, lief auch alles gut an… nach 10-minütigem Rumgeprockel und Küchenmessereinsatz bin ich dann auch aus dem Zimmer rausgekommen! Insgesamt verspricht es ruhig zu sein, was ein erheblicher Fortschritt ist.

Sonst hat die Uni begonnen, die Kurse scheinen interessant zu sein, soweit sie stattfanden: Hier wird nämlich gestreikt, allerdings sind es diesmal die Profs und deshalb warte ich die Seminare erst nochmal etwas ab.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Sinai September 2007

Sinai
Zum einen hab ich es jetzt endlich geschafft, zumindest die Sinai Bilder online zu stellen, zum anderen werde ich morgen, ganz passend zum Unistart nochmal umziehen. Deshalb meld ich mich das nächste Mal ausführlich mit Neuigkeiten aus meiner neuen Residenz...bis dann!

Montag, 15. Oktober 2007

Ankunft im Netz der Gegenwart, eine Pyramide mit Knick aus alten Zeiten und der Tempel der nicht vorhandenen Bücher

So, hiermit bin ich nun auch offiziell im Web 2. 0 angekommen und dieser Blog soll mich durch das Jahr in Jerusalem begleiten.

Ich hab grad Mittagspause, sitze auf dem grünen Rasen mitten in der HUJI und werde mich gleich wieder mit meiner Hausarbeit beschäftigen, die ich noch als Altlast aus Tübingen mit mir rumtrage...

Vor drei Wochen ist mein Sprachkurs endlich erfolgreich zu Ende gegangen. Kurz davor war ich über Rosh HaShana, das jüdische Neujahrsfest Mitte September ein paar Tage im Sinai. Mit einem anderen Deutschen, Helge, bin ich nachts den Berg Mose hochgeklettert, wir haben oben drauf geschlafen bzw. es mehr oder weniger versucht (ein orthodoxer Mönch ist nämlich mitten um drei Uhr nachts leider Gottes auf die "grandiose" Idee gekommen, eine Glocke direkt neben uns ca. ne 1/4 Stunde lang dauerzuläuten) und haben dann am nächsten Morgen zusammen mit ein paar 100 Touristen, die aus Dahab am Roten Meer angekarrt worden waren den Sonnnenaufgang angeschaut. Das war ziemlich schön, wenn auch angesichts der Tourimassen (wie es dann in der Hauptsaison dort aussieht möchte ich lieber nicht wissen) etwas überfüllt. Das Katharinenkloster am Fuß des Berges lohnt sich auch und wenn dann um zwölf Uhr mittags die Tourimassen alle verschwinden, hat man endlich seine Ruhe wieder und kann die bizarre und krasse Berglandschaft des Sinai genießen. Danach waren wir noch zwei Tage am Roten Meer in einem netten Strandcamp am Rumchillen bevor es wieder nach Jerusalem zur Sprachkursabschlussprüfung ging.

Nach Sprachkursende hab ich eine Woche in Cairo Urlaub gemacht und dort eine Historikerin aus Tübingen besucht. Die Zeit war sehr interessant, auch wenn mich am Anfang die 20 Mio. (?) Stadt Cairo etwas erschlagen hat. Aber nach zwei Tagen hatte ich mich an die Menschenmassen und auch an die Abgase (mein Hustenreiz verschwand dann) gewöhnt. Mit Elisabeth hab ich den klassischen Pyramidentagesausflug gemacht, Gizah war natürlich total überlaufen, aber Darschur etwas weiter im Süden lohnt sich wirklich. Der Pharao Snofru hat dort als erster mit dem Pyramidenbau angefangen und weil er sich auch ein bißchen verrechnet hat, steht da jetzt die sogenannte "Knickpyramide": Der Anfangsbauwinkel war zu steil und so macht die Pyramide nach ca. der Hälfte auf allen Seiten einen kleinen Knick.....sehr witzig anzuschauen. Innen sind wir in der Roten-Pyramide (Darschur) und auch in der Cheops Pyramide rumgeklettert und hatten dementsprechend Muskelkater die nächsten Tage lang: für lebende Westeuropäer aus dem 21. Jh sind die Gänge nun wirklich nicht ausgelegt.

Sonst waren wir noch im Ägyptischen Museum, das stellenweise (bis auf die voll klimatisierten Tutanchamun-Sääle und den Mumienraum) einer Abstellkammer gleicht und ich hab mir das islamische Cairo und die Totenstadt im Osten angeguckt, insgesamt die Stadt auf mich wirken lassen. Einen Tag war ich noch in Alexandria, was sich auch lohnt, wenn man etwas Zeit erübrigen kann: Vom Pharos-Leuchtturm sind in der später erbauten Festung noch ein paar Steine zu erkennen und die neue Bilbliothek dort verfügt über eine interessante architektonische Konstruktion. Nur die Belästigungen durch die Ägypter waren noch schlimmer als in Cairo und das kann einem manchmal total auf den Keks gehen! Nun ja...

Nach einer grandiosen ruckeligen 12h-Busrückfahrt bin ich dann Anfang Oktober wieder wohlbehalten in Jerusalem gelandet und habe mich dann intensiv mit den Jerusalmer Bibliothekswesen beschäftigt um die erwähnte Seminarsarbeit noch produzieren zu können. Die ruhige Seminarsbibliothek aus dem TÜler Hegelbau vermiss ich schon, besonders das HiWi-Zimmer inklusive Teekochmöglichkeit, Tratschverein und Keksdose.... Hier gibt es eine zentrale Unibibliothek für alle auf dem einen Campus und dann noch die Jewish National Library auf einem anderen Campus einmal quer durch die Stadt, die aber ihren riesigen Bestand eher im Lager hat und man immer fast alles bestellen muss, was auch etwas nervig ist. Und manches Werk finden selbst die nicht, obwohl es im Katalog stand....Aber ich denke, dass wird schon.

Seit gestern ist Tanja aus Tübingen zu Besuch, auf Durchreise, und bis Mittwoch werden wir dann die Stadt noch etwas unsicher machen. Sonntag geht dann die Uni los und ich bin gespannt, wie das hier dann mit den Seminaren genau läuft.

Photos von Ägypten kommen noch, ich muss aber erst noch sortieren, dafür habe ich bisher keine Zeit gefunden.