Montag, 15. Oktober 2007

Ankunft im Netz der Gegenwart, eine Pyramide mit Knick aus alten Zeiten und der Tempel der nicht vorhandenen Bücher

So, hiermit bin ich nun auch offiziell im Web 2. 0 angekommen und dieser Blog soll mich durch das Jahr in Jerusalem begleiten.

Ich hab grad Mittagspause, sitze auf dem grünen Rasen mitten in der HUJI und werde mich gleich wieder mit meiner Hausarbeit beschäftigen, die ich noch als Altlast aus Tübingen mit mir rumtrage...

Vor drei Wochen ist mein Sprachkurs endlich erfolgreich zu Ende gegangen. Kurz davor war ich über Rosh HaShana, das jüdische Neujahrsfest Mitte September ein paar Tage im Sinai. Mit einem anderen Deutschen, Helge, bin ich nachts den Berg Mose hochgeklettert, wir haben oben drauf geschlafen bzw. es mehr oder weniger versucht (ein orthodoxer Mönch ist nämlich mitten um drei Uhr nachts leider Gottes auf die "grandiose" Idee gekommen, eine Glocke direkt neben uns ca. ne 1/4 Stunde lang dauerzuläuten) und haben dann am nächsten Morgen zusammen mit ein paar 100 Touristen, die aus Dahab am Roten Meer angekarrt worden waren den Sonnnenaufgang angeschaut. Das war ziemlich schön, wenn auch angesichts der Tourimassen (wie es dann in der Hauptsaison dort aussieht möchte ich lieber nicht wissen) etwas überfüllt. Das Katharinenkloster am Fuß des Berges lohnt sich auch und wenn dann um zwölf Uhr mittags die Tourimassen alle verschwinden, hat man endlich seine Ruhe wieder und kann die bizarre und krasse Berglandschaft des Sinai genießen. Danach waren wir noch zwei Tage am Roten Meer in einem netten Strandcamp am Rumchillen bevor es wieder nach Jerusalem zur Sprachkursabschlussprüfung ging.

Nach Sprachkursende hab ich eine Woche in Cairo Urlaub gemacht und dort eine Historikerin aus Tübingen besucht. Die Zeit war sehr interessant, auch wenn mich am Anfang die 20 Mio. (?) Stadt Cairo etwas erschlagen hat. Aber nach zwei Tagen hatte ich mich an die Menschenmassen und auch an die Abgase (mein Hustenreiz verschwand dann) gewöhnt. Mit Elisabeth hab ich den klassischen Pyramidentagesausflug gemacht, Gizah war natürlich total überlaufen, aber Darschur etwas weiter im Süden lohnt sich wirklich. Der Pharao Snofru hat dort als erster mit dem Pyramidenbau angefangen und weil er sich auch ein bißchen verrechnet hat, steht da jetzt die sogenannte "Knickpyramide": Der Anfangsbauwinkel war zu steil und so macht die Pyramide nach ca. der Hälfte auf allen Seiten einen kleinen Knick.....sehr witzig anzuschauen. Innen sind wir in der Roten-Pyramide (Darschur) und auch in der Cheops Pyramide rumgeklettert und hatten dementsprechend Muskelkater die nächsten Tage lang: für lebende Westeuropäer aus dem 21. Jh sind die Gänge nun wirklich nicht ausgelegt.

Sonst waren wir noch im Ägyptischen Museum, das stellenweise (bis auf die voll klimatisierten Tutanchamun-Sääle und den Mumienraum) einer Abstellkammer gleicht und ich hab mir das islamische Cairo und die Totenstadt im Osten angeguckt, insgesamt die Stadt auf mich wirken lassen. Einen Tag war ich noch in Alexandria, was sich auch lohnt, wenn man etwas Zeit erübrigen kann: Vom Pharos-Leuchtturm sind in der später erbauten Festung noch ein paar Steine zu erkennen und die neue Bilbliothek dort verfügt über eine interessante architektonische Konstruktion. Nur die Belästigungen durch die Ägypter waren noch schlimmer als in Cairo und das kann einem manchmal total auf den Keks gehen! Nun ja...

Nach einer grandiosen ruckeligen 12h-Busrückfahrt bin ich dann Anfang Oktober wieder wohlbehalten in Jerusalem gelandet und habe mich dann intensiv mit den Jerusalmer Bibliothekswesen beschäftigt um die erwähnte Seminarsarbeit noch produzieren zu können. Die ruhige Seminarsbibliothek aus dem TÜler Hegelbau vermiss ich schon, besonders das HiWi-Zimmer inklusive Teekochmöglichkeit, Tratschverein und Keksdose.... Hier gibt es eine zentrale Unibibliothek für alle auf dem einen Campus und dann noch die Jewish National Library auf einem anderen Campus einmal quer durch die Stadt, die aber ihren riesigen Bestand eher im Lager hat und man immer fast alles bestellen muss, was auch etwas nervig ist. Und manches Werk finden selbst die nicht, obwohl es im Katalog stand....Aber ich denke, dass wird schon.

Seit gestern ist Tanja aus Tübingen zu Besuch, auf Durchreise, und bis Mittwoch werden wir dann die Stadt noch etwas unsicher machen. Sonntag geht dann die Uni los und ich bin gespannt, wie das hier dann mit den Seminaren genau läuft.

Photos von Ägypten kommen noch, ich muss aber erst noch sortieren, dafür habe ich bisher keine Zeit gefunden.

2 Kommentare:

chonkbaer hat gesagt…

du hast da ja einen schicken stadtplan im header. hast du den aufm dachboden gefunden? die überschrift finde ich sehr gelungen. und deine sinai-beschreibung spricht mit aus der seele, aber ehrlich.

Anonym hat gesagt…

schöner text und viele grüße nach israel. war heute in darshur. rico