Das war also Ramallah: Wir stiegen am Busbahnhof nach einer knapp 3/4-h Fahrt mit dem arabischen Bus im Schneckentempo (Ramallah liegt nur 20 km von Jerusalem entfernt) aus. Helge, Nadia und ich hatten beschlossen, am 27.10.2007 den Shabbat, wo in Jerusalem nix los ist, mal wieder in der Westbank zu verbringen. Als kulturbeflissene Deutsche beschlossen wir uns zuallerst eine alte Kreuzfahrerkirche anzuschauen, die in unserer momentanen "Bibel", dem Lonely Planet für Israel und die Westbank angepriesen wurde - allerdings ohne exakte Ortsangabe. Also fingen wir an Leute zu fragen, wobei es sich als sehr praktisch herausstellte, dass Nadia, deren Eltern beide aus Marokko stammen, fließend Arabisch spricht. Aber selbst das brachte uns nicht die erwünschte Auskunft, sondern im Gegenteil: Laut den Befragten gab es in Ramallah keine Kreuzfahrerkirche, sondern man verwies uns immer auf das neue, katholische und ein älteres, orthodoxes Gotteshaus, das zu einem Kloster gehörte. Nebenbei wurden wir auch noch gefragt, woher wir kämen und als wir als Herkunftsland die USA verneinten, meinte eine alte Palästinenserin nur, dass das auch gut so wär, da die Amerikaner die Araber nur abschlachten würden, man aber deren starken Dollar leider bräuchte....Nun gut, wir begaben uns zuerst zu der katholischen Kirche ins Stadzentrum und danach zum dem Kloster. Anschließend erkundeten wir noch ein Konservatorium mit sehr interessanter Architektur
und genossen dann die geschäftige Atmosphäre in den Straßen und auf dem Souq, die oft durch alte Männer, einfach auf einen Stuhl sitzend und das Treiben beobachtend, unterbrochen wurde:
Auf unseren Streifzügen entdeckten wir Arafat-Buttons, die man uns aber nur zu extrem überhöhten Preisen überlassen wollte (und man war auch nicht wie sonst, handlungsbereit...woran das wohl gelegen hat ;-)) und allen möglichen arabischen Kitsch. Wohlverdient beschlossen wir eine Kaffeepause einzulegen und fanden dafür das "Stars & Bucks" von Ramallah sehr geeignet:
Ob Starbucks wohl von dieser bis auf das &-Zeichen täuschend echten Kopie weiß? Nebenbei hatten wir öfter wieder nach der Kreuzfahrerkirche gefragt, aber immer noch hatte kein Mensch davon gehört. Dies sollte sich nun ändern: Ein Kellner im Stars & Bucks wusste anscheinend genau, was wir suchten und gab uns tatsächlich eine exakte Wegbeschreibung und Zeitangabe. Nach angemessener Rumchillerei in diesem Café entschieden wir, uns doch nocheinmal auf die Suche nach diesem immer mysteriöser werdenden christlichen Kultplatz zu begeben: Gesagt, getan! Doch leider stellte sich heraus, dass auch unsere neuen Informationen nicht genau waren und an besagter Stelle keine Kirche auf uns wartete, dafür stießen wir aber auf unserer Suche auf mehr oder weniger ernste Bedrohungen
und schließlich auf ein paar Palästinenser, die gerade aus den USA zurückkamen und sehr hilfsbereit waren: Nachdem wir etwas verzweifelt und schon kurz vorm Aufgeben unser Anliegen kundgetan hatten und sie zwar auch noch nichts von einer Kreuzfahrerkirche gehört hatten, fingen sie wild an, für uns durch die Gegend zu telefonieren und tatsächlich: Einer der hilfsbereiten Geister am anderen Ende der Telefonleitung hatte Informationen für uns und dann, am Spätnachmittag fanden wir sie doch noch, Inshallah!, bzw. das, was von ihr übrig war: Die Kreuzfahrerkirche von Ramallah!
Nach diesem "grandiosen Erfolgserlebnis" und dem Beschluss, dem Lonely Planet eine deutliche Beschwerdemail wegen absolut ungenauer und unzureichender Angaben zu senden, ließen wir den Tag gemütlich bei arabischen Süßigkeiten und Tee ausklingen und gelangten wieder wohlbehalten zurück nach Jerusalem.
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